Wer morgens mit steifen Knien aus dem Bett steigt oder beim Treppensteigen ein Ziehen im Hüftgelenk spürt, hat sich vermutlich schon einmal gefragt: Hilft Kollagen bei Arthrose tatsächlich, oder ist das nur ein weiterer Trend aus der Welt der Nahrungsergänzungsmittel? Die Antwort ist – wie so oft in der Ernährungsmedizin – nicht ganz schwarz-weiß. Es gibt ernstzunehmende Studien, es gibt vielversprechende Mechanismen, aber es gibt auch offene Fragen. Genau darum soll es in diesem Artikel gehen: um Fakten statt Werbeversprechen, um die Biologie hinter dem Hype und um praktische Hinweise, die im Alltag wirklich weiterhelfen.
Was ist Kollagen eigentlich – und warum brauchen unsere Gelenke es?
Kollagen ist kein exotischer Wirkstoff, sondern das mit Abstand häufigste Eiweiß im menschlichen Körper. Rund ein Drittel des gesamten Proteinbestands besteht aus Kollagen – es steckt in der Haut, in Sehnen, Bändern, Knochen und eben auch im Knorpelgewebe, das unsere Gelenke wie eine Art Stoßdämpfer schützt. Man kann sich Kollagen wie ein feines Gerüst aus langen, seilartigen Fasern vorstellen, das anderen Strukturen erst ihre Form und Stabilität verleiht. Ohne dieses Gerüst wäre Knorpel nicht elastisch, sondern brüchig.
Im Gelenkknorpel dominiert vor allem eine bestimmte Kollagenart, das sogenannte Typ-II-Kollagen. Es bildet zusammen mit Wassermolekülen und Proteoglykanen ein Netzwerk, das Druck abfedert und gleichzeitig Beweglichkeit erlaubt. Mit den Jahren – meist ab Mitte 20 – produziert der Körper jedoch zunehmend weniger körpereigenes Kollagen, während gleichzeitig Abbauprozesse durch mechanische Belastung, Entzündungen oder einfach die Zeit an Bedeutung gewinnen. Genau an diesem Punkt setzt die Idee an, dem Körper zusätzliches Kollagen über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen, um diesem Verschleiß entgegenzuwirken.
Hilft Kollagen bei Arthrose? Ein Blick auf die Studienlage
Kommen wir zur zentralen Frage: Hilft Kollagen bei Arthrose aus wissenschaftlicher Sicht wirklich? In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden weltweit zahlreiche klinische Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt, und das Bild, das sich daraus ergibt, ist überwiegend positiv, wenn auch nicht restlos eindeutig.
Mehrere Übersichtsarbeiten, die Daten aus verschiedenen Einzelstudien zusammenfassen, kommen zu dem Schluss, dass die regelmäßige Einnahme von Kollagenpeptiden bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose zu einer messbaren Verbesserung der Gelenkfunktion und zu einer Linderung von Schmerzen führen kann. Gemessen wurde dies häufig anhand standardisierter Fragebögen, die unter anderem Morgensteifigkeit, Belastbarkeit und alltägliche Bewegungsabläufe erfassen. Besonders interessant: Der Effekt zeigte sich unabhängig davon, ob das Kollagen als Pulver oder Kapsel geschluckt oder in geringeren Mengen direkt zugeführt wurde – wobei die orale Einnahme in der Praxis natürlich die relevantere Variante darstellt.
Der vermutete Wirkmechanismus ist dabei recht clever: Werden kleine Kollagenbruchstücke – sogenannte Peptide – aufgenommen, gelangen sie über den Darm ins Blut und von dort teilweise bis in die Gelenkregion. Dort scheinen sie wie ein Signal zu wirken, das die körpereigenen Knorpelzellen, die Chondrozyten, dazu anregt, selbst wieder mehr Kollagen und Knorpelmatrix zu produzieren. Man spricht hier von einer Art Feedback-Mechanismus: Der Körper „erkennt“ die zugeführten Bausteine und reagiert mit gesteigerter Eigenproduktion.
Wichtig ist allerdings die Einordnung: Die Studienqualität variiert stark, viele Untersuchungen wurden mit vergleichsweise kleinen Teilnehmerzahlen durchgeführt, und nicht jede Studie wurde unabhängig von der Supplementbranche finanziert. Seriöse Fachleute betonen deshalb regelmäßig, dass Kollagen als ergänzende Maßnahme betrachtet werden sollte – als ein Baustein neben Bewegung, Gewichtsmanagement und gegebenenfalls ärztlich verordneter Therapie, nicht als Ersatz dafür.
Kollagen Typ I, II und III – warum die Unterscheidung wichtig ist
Nicht jedes Kollagenpräparat ist für Gelenke gleich relevant. Im menschlichen Körper gibt es über zwanzig verschiedene Kollagentypen, von denen im Alltag vor allem drei eine Rolle spielen:
- Typ I ist der Allrounder: Er findet sich in Haut, Knochen, Sehnen und Bändern und macht den größten Teil des gesamten Kollagenbestands aus. Für Hautbild und Bindegewebe ist er besonders relevant.
- Typ II ist der Spezialist für Gelenke. Er bildet das Grundgerüst des hyalinen Knorpels und ist damit genau die Kollagenart, um die es bei Arthrose in erster Linie geht.
- Typ III kommt häufig gemeinsam mit Typ I vor und unterstützt vor allem elastische Gewebe wie Blutgefäße und innere Organe.
Wer gezielt etwas für die Gelenke tun möchte, sollte also nicht wahllos zu irgendeinem Kollagenprodukt greifen, sondern auf den Anteil an Typ-II-Kollagen achten – oder auf Produkte, die gezielt auf Gelenkgesundheit ausgelegt sind. Viele Marktprodukte, gerade solche aus Rinder- oder Fischhaut, enthalten primär Typ I und III und sind eher für Haut, Haare und Nägel konzipiert.
Hydrolysiertes Kollagen vs. natives Kollagen (UC-II): Die Vergleichstabelle
Auf dem Markt haben sich im Wesentlichen zwei unterschiedliche Ansätze etabliert, um Kollagen bei Gelenkbeschwerden einzusetzen: hydrolysierte Kollagenpeptide und undenaturiertes Typ-II-Kollagen, meist als UC-II abgekürzt. Beide Formen unterscheiden sich deutlich in Herstellung, Dosierung und vermutetem Wirkmechanismus. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:
| Merkmal | Hydrolysierte Kollagenpeptide | Natives Kollagen (UC-II) |
|---|---|---|
| Herstellung | Enzymatisch in kleine Peptide zerlegt | Schonend extrahiert, Struktur bleibt weitgehend erhalten |
| Typische Tagesdosis | 5–15 g (in Studien teils bis 40 g) | Bereits ab ca. 40 mg pro Tag |
| Angenommener Wirkmechanismus | Anregung der körpereigenen Kollagensynthese im Knorpel | Immunologische Modulation, Reduktion von Entzündungsreaktionen |
| Aufnahme im Körper | Rasche Aufnahme über den Darm, Peptide im Blut nachweisbar | Wirkung wird über darmassoziiertes Immunsystem vermutet |
| Geschmack/Einnahmeform | Meist geschmacksneutrales Pulver, gut mischbar | In der Regel Kapseln |
| Bis erste Effekte spürbar sind | Häufig 8–12 Wochen | Häufig 8–12 Wochen, teils auch früher berichtet |
| Typische Studiendauer | 3–6 Monate | Meist 3–6 Monate |
Beide Varianten haben in Untersuchungen positive Effekte gezeigt, funktionieren aber offenbar über unterschiedliche biologische Wege. Für welche Form man sich entscheidet, ist letztlich auch eine Frage der persönlichen Vorliebe – manche schätzen die einfache Integration von Kollagenpulver in Kaffee oder Smoothie, andere bevorzugen die praktische Kapselform.
Sieben überraschende Fakten über Kollagen, die kaum jemand kennt
Kollagen ist längst ein fester Bestandteil vieler Ernährungsroutinen, doch einige Hintergründe bleiben oft im Verborgenen. Hier ein paar wirklich spannende Details:
- Kollagen ist keine „vegane“ Verbindung – aber es gibt eine Ausnahme. Klassisches Kollagen wird immer aus tierischem Bindegewebe gewonnen (Rind, Schwein, Fisch, Geflügel). Sogenanntes „veganes Kollagen“ enthält in Wahrheit kein echtes Kollagen, sondern liefert lediglich die Bausteine – vor allem Vitamin C, Kupfer und bestimmte Aminosäuren –, die der Körper braucht, um selbst welches herzustellen.
- Der Begriff stammt aus dem Griechischen. „Kólla“ bedeutet Leim, „génos“ Ursprung – Kollagen ist also wörtlich der „Leimbildner“. Kein Zufall: Aus gekochten Tierhäuten und Knochen wurde jahrhundertelang klassischer Knochenleim hergestellt, chemisch eng verwandt mit der heutigen Gelatine.
- Gelatine und Kollagen sind fast dasselbe – nur anders aufbereitet. Gelatine entsteht durch Erhitzen von Kollagen und ist strukturell dem Ausgangsprotein sehr ähnlich, jedoch schlechter wasserlöslich und weniger effizient vom Körper aufnehmbar als hydrolysiertes Kollagenpulver.
- UV-Strahlung ist einer der größten Kollagen-Feinde – auch für Gelenke indirekt relevant. Intensive Sonneneinstrahlung fördert den Abbau von Kollagenfasern über sogenannte Matrix-Metalloproteinasen, Enzyme, die auch am Knorpelabbau bei Arthrose beteiligt sind. Ein bewusster UV-Schutz ist also nicht nur eine Frage der Hautgesundheit.
- Zucker beschleunigt den Kollagenabbau. Durch einen Prozess namens Glykation lagern sich Zuckermoleküle an Kollagenfasern an und machen sie steifer und brüchiger. Ein stark zuckerreicher Lebensstil kann diesen Effekt über Jahre verstärken – ein bislang eher wenig beachteter Zusammenhang.
- Der Körper baut sein Kollagen ständig um. Kollagenfasern werden keineswegs „für immer“ gebildet, sondern befinden sich in einem dauerhaften Kreislauf aus Abbau und Neubildung. Im Knorpelgewebe verläuft dieser Umbau allerdings besonders langsam – manche Schätzungen gehen von Jahrzehnten für einen vollständigen Austausch aus, was erklärt, warum geschädigter Knorpel sich so schwer regeneriert.
- Marines Kollagen hat kleinere Molekülketten als Rinderkollagen. Aus diesem Grund wird ihm häufig eine bessere Bioverfügbarkeit zugeschrieben – die Peptide sind schlicht kompakter und können die Darmwand leichter passieren. Für Menschen mit Fischallergie ist diese Variante allerdings ungeeignet.
Wann sollte man Kollagen bei Arthrose einnehmen?
Diese Frage taucht in der Praxis besonders häufig auf, denn Timing wird bei Nahrungsergänzungsmitteln gerne unterschätzt. Grundsätzlich gilt: Kollagen ist kein Akutmittel, das binnen Stunden wirkt, sondern ein Präparat, dessen Effekte sich über Wochen und Monate aufbauen. Für die tägliche Routine haben sich folgende Hinweise als praktisch erwiesen:
Regelmäßigkeit schlägt Uhrzeit. Ob morgens im Kaffee, mittags im Smoothie oder abends vor dem Schlafengehen – entscheidender als der exakte Zeitpunkt ist die tägliche Konstanz über einen längeren Zeitraum. Wer die Einnahme immer wieder vergisst oder unregelmäßig gestaltet, verschenkt einen Großteil des möglichen Nutzens.
Nüchtern oder mit Vitamin C kombiniert kann sinnvoll sein. Manche Fachleute empfehlen die Einnahme auf nüchternen Magen, da andere Proteine aus einer Mahlzeit theoretisch mit der Aufnahme konkurrieren könnten. Eindeutige Beweise dafür sind rar, schaden kann dieses Vorgehen aber nicht. Da Vitamin C ein unverzichtbarer Cofaktor der körpereigenen Kollagensynthese ist, bietet sich die zeitgleiche Einnahme – etwa mit einem Glas Orangensaft oder einer Kiwi – an.
Nach dem Training statt davor. Für sportlich aktive Menschen mit beginnender Arthrose wird häufig empfohlen, Kollagen etwa 30 bis 60 Minuten vor körperlicher Belastung einzunehmen, da zu diesem Zeitpunkt die Durchblutung der Gelenke gesteigert ist und die zugeführten Aminosäuren dort besser genutzt werden könnten.
Geduld ist Pflicht. Wer erwartet, hilft Kollagen bei Arthrose bereits nach wenigen Tagen spürbar, wird meist enttäuscht. Realistisch ist ein Beobachtungszeitraum von mindestens acht bis zwölf Wochen, bevor man eine erste Einschätzung zur individuellen Wirksamkeit treffen kann.
Kollagen richtig dosieren – wie viel ist sinnvoll?
Die in Studien verwendeten Mengen variieren je nach Produktform deutlich. Bei hydrolysierten Kollagenpeptiden bewegen sich die üblichen Tagesdosen zwischen fünf und fünfzehn Gramm, in einzelnen Untersuchungen zu Sportlern oder stärkeren Beschwerden wurden auch höhere Mengen getestet. Bei nativem, undenaturiertem Typ-II-Kollagen genügen dagegen bereits deutlich geringere Mengen im Milligrammbereich, da hier ein anderer Wirkmechanismus im Vordergrund steht.
Wichtig ist außerdem die Einnahmedauer: Die meisten aussagekräftigen Studien liefen über drei bis sechs Monate. Wer also nach vier Wochen enttäuscht das Handtuch wirft, gibt dem Körper womöglich schlicht nicht genug Zeit. Gleichzeitig gilt: Wer nach einem halben Jahr konsequenter Einnahme keinerlei Veränderung feststellt, sollte das Thema mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, statt die Dosis eigenmächtig immer weiter zu steigern.
Diese Nährstoffe verstärken die Wirkung von Kollagen
Kollagen entfaltet sein Potenzial selten im Alleingang. Der Körper benötigt für die eigene Kollagenproduktion eine ganze Reihe an Cofaktoren, die in einer ausgewogenen Ernährung mitgedacht werden sollten:
- Vitamin C ist essenziell für die Quervernetzung der Kollagenfasern – ohne ausreichende Versorgung kann der Körper zugeführte Aminosäuren nicht sinnvoll zu stabilem Kollagen verarbeiten.
- Hyaluronsäure ist ein weiterer natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und wird häufig in Kombinationspräparaten mit Kollagen angeboten, da beide Stoffe sich in ihrer Wirkung auf Knorpel und Gelenkschmiere ergänzen.
- Kupfer und Zink spielen ebenfalls eine unterstützende Rolle im Bindegewebsstoffwechsel.
- Omega-3-Fettsäuren wirken zusätzlich entzündungshemmend und können auf diesem Weg das Beschwerdebild bei Arthrose günstig beeinflussen, auch wenn sie kein direkter Kollagen-Baustein sind.
Bewegung und Kollagen – ein unterschätztes Duo
Ein Punkt, der in der Diskussion um Nahrungsergänzung häufig zu kurz kommt: Kollagen entfaltet seine Wirkung im Zusammenspiel mit mechanischer Belastung deutlich besser als in völliger Ruhe. Knorpelgewebe wird nicht direkt durchblutet, sondern über die sogenannte Synovialflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt – und diese Flüssigkeit zirkuliert vor allem dann, wenn das Gelenk bewegt wird. Wer also Kollagen einnimmt, aber aus Angst vor Schmerzen jede Belastung meidet, verschenkt einen Teil des möglichen Potenzials.
Gelenkschonende Bewegungsformen wie Schwimmen, Radfahren oder gezieltes Krafttraining im schmerzfreien Bereich gelten als besonders sinnvoll, da sie den Knorpelstoffwechsel anregen, ohne die Gelenkflächen übermäßig zu belasten. Physiotherapeutische Übungsprogramme, die gezielt die Muskulatur rund um das betroffene Gelenk stärken, können zusätzlich dazu beitragen, dass die Gelenkführung verbessert wird und einzelne Knorpelareale weniger einseitig belastet werden. In Kombination mit einer ausreichenden Kollagenzufuhr entsteht so im besten Fall ein sich gegenseitig verstärkender Effekt: bessere Durchblutung, mehr verfügbare Bausteine und ein Gelenk, das aktiv am eigenen Erhalt „mitarbeiten“ kann.
Kollagen aus der Ernährung vs. Nahrungsergänzung – was bringt tatsächlich mehr?
Immer wieder taucht die Frage auf, ob es nicht reicht, einfach öfter Knochenbrühe zu kochen oder mehr Gelatine zu essen, statt zu einem speziellen Präparat zu greifen. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wie gezielt man vorgehen möchte. Selbstgekochte Brühe enthält zwar Kollagen, die Menge schwankt jedoch stark – abhängig davon, welche Knochen verwendet wurden, wie lange gekocht wurde und wie viel Bindegewebe tatsächlich im Topf gelandet ist. Eine exakte Dosierung, wie sie in klinischen Studien verwendet wurde, lässt sich auf diesem Weg praktisch nicht erreichen.
Hochwertige Nahrungsergänzungsmittel haben demgegenüber den Vorteil einer standardisierten, geprüften Menge an Kollagenpeptiden pro Portion. Wer also bewusst die in Studien untersuchten fünf bis fünfzehn Gramm täglich zuführen möchte, kommt an einem entsprechenden Pulver oder Kapselprodukt kaum vorbei. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass kollagenreiche Lebensmittel wertlos wären – im Gegenteil, sie liefern zusätzlich viele weitere Nährstoffe und passen gut in eine insgesamt gelenkfreundliche Ernährung. Als alleinige Strategie bei bestehender Arthrose reichen sie jedoch in der Regel nicht aus, um die in Studien beobachteten Effekte zu erzielen.
Ein weiterer Aspekt, der selten thematisiert wird: Auch die Qualität des Ausgangsmaterials spielt eine Rolle. Kollagen aus Weidehaltung oder aus zertifizierter Fischzucht unterliegt in der Regel strengeren Kontrollen hinsichtlich Schwermetallbelastung und Rückständen als Kollagen unbekannter Herkunft. Wer regelmäßig und über Monate hinweg Kollagen einnehmen möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich auf den Preis, sondern auch auf Herkunftsnachweise und unabhängige Laboranalysen achten.
Mögliche Nebenwirkungen und worauf man achten sollte
Auch wenn Kollagenpräparate insgesamt als sehr gut verträglich gelten, lohnt sich ein realistischer Blick auf mögliche unerwünschte Effekte. Bei sehr hohen Dosen – deutlich oberhalb der üblichen fünfzehn Gramm pro Tag – berichten manche Menschen von einem unangenehmen Völlegefühl, leichtem Sodbrennen oder einem veränderten Stuhlgang. Diese Beschwerden sind in aller Regel harmlos und verschwinden nach einer Dosisreduktion wieder.
Wichtiger ist der Blick auf die Herkunft: Menschen mit bekannter Allergie gegen Fisch, Schalentiere oder Rindfleisch sollten das jeweilige Ausgangsprodukt meiden und gegebenenfalls auf eine andere Quelle ausweichen. Auch bei bestehenden Nierenerkrankungen wird gelegentlich zu Vorsicht bei sehr hohen Proteinmengen geraten – hier empfiehlt sich vorab ein Gespräch mit der behandelnden Praxis. Schwangere und stillende Frauen finden in der aktuellen Studienlage keine eindeutigen Warnhinweise, dennoch gilt auch hier: Im Zweifel lieber einmal zu viel nachfragen als auf gut Glück ausprobieren.
Für wen eignet sich Kollagen – und wo liegen die Grenzen?
Kollagenpräparate gelten allgemein als gut verträglich, echte Nebenwirkungen sind selten und meist auf leichte Verdauungsbeschwerden bei sehr hohen Dosen beschränkt. Menschen mit Fisch- oder Rinderallergie sollten allerdings genau auf die Herkunft des Produkts achten, da Kollagen fast ausnahmslos tierischen Ursprungs ist.
Wichtig zu wissen: Kollagen ersetzt weder Physiotherapie noch eine gezielte Bewegungstherapie, und bei fortgeschrittener Arthrose mit starker Knorpelzerstörung stößt jede Form der Nahrungsergänzung an biologische Grenzen. Wer bereits erhebliche Schmerzen, Schwellungen oder eine deutliche Bewegungseinschränkung hat, sollte diese Beschwerden ärztlich abklären lassen, bevor auf eigene Faust experimentiert wird. Kollagen kann in einem solchen Fall bestenfalls eine sinnvolle Ergänzung im Gesamtkonzept sein, niemals aber der alleinige Therapieansatz.
Häufig gestellte Fragen zu Kollagen bei Arthrose
Hilft Kollagen bei Arthrose wirklich, oder ist der Effekt nur Placebo?
Die derzeitige Studienlage spricht dafür, dass Kollagen bei Arthrose über den reinen Placebo-Effekt hinaus wirken kann, insbesondere bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Die Effektstärke fällt jedoch von Studie zu Studie unterschiedlich aus, und individuelle Unterschiede zwischen Personen sind erheblich. Ein Wundermittel ist Kollagen also nicht, ein plausibler Baustein im Gesamtkonzept aber durchaus.
Wie lange dauert es, bis Kollagen bei Arthrose Wirkung zeigt?
In den meisten Untersuchungen wurden erste spürbare Veränderungen nach etwa acht bis zwölf Wochen regelmäßiger Einnahme beobachtet. Manche Menschen berichten von früheren Effekten, andere benötigen die volle Studiendauer von drei bis sechs Monaten, bis sich eine Verbesserung bemerkbar macht.
Welches Kollagen ist bei Arthrose am besten geeignet?
Für Gelenkbeschwerden wird meist gezielt Typ-II-Kollagen empfohlen, entweder in hydrolysierter Peptidform oder als natives, undenaturiertes UC-II-Kollagen. Produkte, die primär auf Typ I und III setzen, sind eher für Haut und Bindegewebe konzipiert und weniger auf Gelenke ausgerichtet.
Kann man Kollagen dauerhaft einnehmen?
Nach aktuellem Kenntnisstand gilt eine langfristige Einnahme als unbedenklich, da bislang keine relevanten Sicherheitsbedenken bei üblichen Dosierungen bekannt sind. Da die Wirkung von Kollagen sich erst über Monate aufbaut, ist ohnehin eher eine kontinuierliche als eine kurzfristige Anwendung sinnvoll.
Gibt es Kollagen auch in normalen Lebensmitteln?
Ja – klassische Knochenbrühe, Gelatine, Innereien und Haut von Fisch oder Geflügel enthalten natürliches Kollagen. Allerdings ist die enthaltene Menge deutlich geringer und weniger standardisiert als bei speziell aufbereiteten Nahrungsergänzungsmitteln, sodass gezielte Präparate für einen messbaren Effekt meist praktikabler sind.
Kann Kollagen Arthrose komplett heilen?
Nein. Kollagen kann den Knorpelstoffwechsel unterstützen und Beschwerden potenziell lindern, eine bereits fortgeschrittene Arthrose mit strukturellem Knorpelverlust jedoch nicht rückgängig machen. Es handelt sich um eine unterstützende Maßnahme, nicht um eine Heilmethode.
Sollte man Kollagen mit anderen Arthrose-Mitteln kombinieren?
Eine Kombination mit Hyaluronsäure, Vitamin C oder Omega-3-Fettsäuren gilt allgemein als unproblematisch und wird in vielen Produkten sogar gezielt so angeboten, da sich die Wirkmechanismen sinnvoll ergänzen. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten oder Spritzentherapien sollte die Kombination jedoch vorab mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden, um Wechselwirkungen sicher auszuschließen.
Wirkt Kollagen bei jeder Form von Arthrose gleich gut?
Nein. Die meisten aussagekräftigen Studien beziehen sich auf die Kniearthrose, teilweise auch auf Hüft- und Handgelenke. Bei anderen Gelenken oder sehr fortgeschrittenen Verläufen ist die Datenlage deutlich dünner, sodass sich keine pauschale Aussage treffen lässt. Ein individueller Versuch über einige Monate bleibt oft die einzige Möglichkeit, die persönliche Wirksamkeit einzuschätzen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei bestehenden Gelenkbeschwerden, Arthrose-Diagnosen oder vor der Einnahme neuer Nahrungsergänzungsmittel sollte immer Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen qualifizierten medizinischen Fachperson gehalten werden.

