Jedes Jahr packen hunderttausende Deutsche ihre Koffer und beginnen irgendwo jenseits der Grenze ein neues Leben. Manche folgen einem Job, andere der Liebe, wieder andere einfach der Sehnsucht nach mehr Sonne und weniger Bürokratie. Doch wohin wandern die meisten Deutschen aus, wenn man es wirklich mit Zahlen belegt und nicht nur mit Bauchgefühl? Die Antwort überrascht viele: Es sind nicht in erster Linie exotische Inseln oder die sonnenverwöhnte Karibik, sondern die direkten Nachbarländer, in denen die deutsche Sprache kein Hindernis darstellt.
In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Länder tatsächlich ganz oben auf der Liste stehen, warum das so ist, wohin es besonders viele Rentnerinnen und Rentner zieht, welche Kriterien bei der Auswanderung wirklich entscheidend sind – und werfen zum Schluss noch einen Blick auf ein paar richtig ausgefallene Ziele, in denen kaum jemand mit deutschem Pass lebt.
Die aktuellen Zahlen: Wohin wandern die meisten Deutschen aus?
Laut dem Statistischen Bundesamt verließen im Jahr 2025 rund 288.600 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit das Land. Das klingt zunächst nach einer Massenflucht, relativiert sich aber schnell: Ein erheblicher Teil davon sind Pendler, Studierende, Menschen auf Zeit im Ausland oder Personen, die ohnehin regelmäßig zwischen zwei Ländern leben. Rund 190.000 Deutsche kehrten im selben Jahr wieder zurück – Auswanderung ist für die meisten also kein einmaliger, endgültiger Schnitt, sondern eher eine Lebensphase.
Schaut man sich an, wohin die meisten Deutschen tatsächlich dauerhaft ziehen, führt kein Weg an den beiden deutschsprachigen Nachbarn vorbei. Die Schweiz ist bereits seit 2005 ununterbrochen das beliebteste Zielland – ein bemerkenswert stabiler Trend. Wer sich also fragt, wohin wandern die meisten Deutschen aus, bekommt von den Behörden eine ziemlich eindeutige Antwort: zuallererst über die Alpen und in Richtung Österreich.
Vergleichstabelle: Die beliebtesten Zielländer deutscher Auswanderer
Die folgende Übersicht zeigt, wie viele Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit aktuell in den wichtigsten Zielländern leben und was sie jeweils auszeichnet.
| Land | Deutsche Einwohner (ca., Stand 2025) | Zuwachs ggü. Vorjahr | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Schweiz | 329.900 | +1,9 % | Seit 2005 durchgehend Platz 1 |
| Österreich | 239.500 | +2,9 % | Stärkstes Wachstum aller Zielländer (+40,5 % in 10 Jahren) |
| Spanien | 131.800 | +3,0 % | Nach Jahren des Rückgangs seit 2022 wieder im Aufwind |
| Frankreich | ca. 94.000 | leicht steigend | Beliebt bei Grenzpendlern im Elsass |
| USA | ca. 1,1 Mio. (OECD-Schätzung) | – | Größte deutschstämmige Community außerhalb Europas |
| Vereinigtes Königreich | ca. 270.000 (OECD-Schätzung) | rückläufig seit Brexit | Beliebtes Ziel vor 2020, seither gebremst |
| Brasilien | ca. 6,1 Mio. (historische Diaspora) | – | Größte deutschstämmige Gemeinschaft weltweit, meist Nachfahren früherer Einwanderer |
| Argentinien | 2–3 Mio. (historische Diaspora) | – | Deutsche Auswandererwellen bereits im 19. Jahrhundert |
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Eurostat, OECD-Bericht zu deutschen Auswanderern.
Wichtig beim Lesen dieser Tabelle: Die Zahlen zur Schweiz, Österreich, Spanien und Frankreich stammen aus aktuellen Melderegistern und zeigen, wo Menschen mit deutschem Pass heute tatsächlich wohnen. Die Zahlen zu Brasilien und Argentinien hingegen spiegeln vor allem historische Auswandererwellen wider – hier zählen auch Nachfahren, die oft schon in dritter oder vierter Generation dort leben, aber noch immer als „deutschstämmig“ gelten. Wer heute konkret die Frage stellt, wohin wandern die meisten Deutschen aus, sollte also klar zwischen aktueller Migration und historischer Diaspora unterscheiden.
Warum Österreich und die Schweiz so beliebt sind
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die beiden deutschsprachigen Nachbarländer ganz oben auf der Liste stehen. Das Statistische Bundesamt nennt die fehlende Sprachbarriere als einen der wichtigsten Faktoren – wer nicht erst eine neue Sprache lernen muss, um beim Amt einen Antrag zu stellen oder beim Arzt Beschwerden zu schildern, hat es im Alltag einfach leichter.
Hinzu kommen handfeste wirtschaftliche Argumente. In der Schweiz locken deutlich höhere Löhne: Das Durchschnittseinkommen liegt dort bei rund 88.100 Euro brutto im Jahr, ein Vielfaches dessen, was in vielen anderen Zielländern möglich ist. Gleichzeitig punktet das Land mit stabilen Institutionen, einer sauberen Infrastruktur und kurzen Wegen – Zürich oder Basel sind von Süddeutschland aus in wenigen Stunden erreichbar.
Österreich wiederum überzeugt mit einer Mentalität, die vielen Deutschen vertraut vorkommt, ähnlichen Lebenshaltungskosten und einer im Vergleich zur Schweiz etwas günstigeren Einwanderung dank EU-Mitgliedschaft. Innerhalb von zehn Jahren ist die deutsche Community in Österreich um über 40 Prozent gewachsen – ein Tempo, das selbst die Schweiz nicht ganz mithalten kann, auch wenn diese in absoluten Zahlen weiterhin vorn liegt.
Wohin wandern die meisten deutschen Rentner aus?
Bei der Frage, wohin wandern die meisten Deutschen aus, lohnt sich ein separater Blick auf die Generation, die den Ruhestand im Ausland verbringen möchte. Laut dem aktuellen Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung leben knapp sieben Prozent aller deutschen Rentnerinnen und Rentner dauerhaft im Ausland – Tendenz steigend. Im Jahr 2024 zahlte die Rentenversicherung mehr als 81.000 Renten allein in die drei beliebtesten Länder aus.
Auch hier landet Österreich auf Platz eins, dicht gefolgt von der Schweiz und Spanien. Insgesamt bleiben rund 72 Prozent der ausgewanderten Rentner innerhalb der Europäischen Union – die Nähe zur Familie spielt im Alter offenbar eine größere Rolle als in jüngeren Jahren. Wer weiter weg zieht, entscheidet sich häufig für die USA, Kanada oder Australien.
Ein spannender Trend der letzten Jahre: Osteuropäische Länder wie Bulgarien oder Rumänien gewinnen bei Ruheständlern deutlich an Beliebtheit. Der Grund liegt auf der Hand – bei einer durchschnittlichen deutschen Rente von rund 1.692 Euro brutto reicht das Geld dort spürbar weiter als in der teuren Schweiz. Auch Portugal, Griechenland, Kroatien und zunehmend Thailand oder die Philippinen tauchen in den Rankings der beliebtesten Alters-Ruhesitze auf, vor allem wegen niedrigerer Lebenshaltungskosten und spezieller Rentner-Visa.
Die Top-Kriterien für den Ruhestand im Ausland
Wer im Alter auswandert, gewichtet die Entscheidung oft anders als jüngere Menschen, die aus beruflichen Gründen gehen. Folgende Punkte tauchen in Umfragen und Rentenatlanten immer wieder auf:
- Nähe zur Familie: Kurze Anreisewege nach Deutschland werden im Alter wichtiger, nicht unwichtiger.
- Medizinische Versorgung: Ein gut ausgebautes Gesundheitssystem ist für viele ein Ausschlusskriterium, wenn es fehlt.
- Lebenshaltungskosten: Gerade bei kleineren Renten entscheidet oft der Kontostand über das Zielland.
- Klima: Wärme und mehr Sonnenstunden werden regelmäßig als Hauptmotiv genannt.
- Sprache und Kultur: Je vertrauter das Umfeld, desto geringer die Eingewöhnungszeit.
Was Deutschen bei der Wahl des Ziellandes generell am wichtigsten ist
Nicht nur Rentner, auch jüngere Auswanderer folgen bestimmten Mustern, wenn sie sich fragen, wohin sie am besten auswandern sollten. Aus verschiedenen Befragungen – etwa der German Emigration and Remigration Panel Study – lassen sich einige wiederkehrende Motive ablesen:
Berufliche Perspektiven stehen bei jüngeren Menschen klar an erster Stelle. Wer im Ausland ein attraktives Jobangebot erhält oder international Karriere machen möchte, orientiert sich eher an Wirtschaftszentren wie Zürich, London oder amerikanischen Großstädten als am Klima.
Bildungsstand spielt eine überraschend große Rolle. Rund 75 Prozent der ausgewanderten Deutschen verfügen über einen Hochschulabschluss – ein deutlich höherer Anteil als in der Gesamtbevölkerung, wo er bei etwa 25 Prozent liegt. Auswanderung ist in Deutschland also überdurchschnittlich häufig eine Angelegenheit gut ausgebildeter Fachkräfte, die im Ausland oft auch finanziell profitieren: Das monatliche Nettoeinkommen steigt nach der Auswanderung im Schnitt spürbar.
Steuerliche und bürokratische Rahmenbedingungen werden immer wichtiger, gerade seitdem digitale Nomaden und Remote-Arbeit zum Alltag gehören. Länder mit klaren, planbaren Regeln für Zuwanderer schneiden in Umfragen regelmäßig besser ab als bürokratisch komplizierte Ziele.
Lebensqualität und Work-Life-Balance runden das Bild ab. Viele Auswanderer berichten, dass ihnen im neuen Land einfach mehr Zeit für Familie und Freizeit bleibt – ein Motiv, das gerade bei der jüngeren Generation immer häufiger genannt wird.
Ungewöhnliche Ziele: Wo leben nur eine Handvoll Deutsche?
Während sich die große Mehrheit für die üblichen Verdächtigen entscheidet, gibt es auch das andere Extrem: Länder, in denen deutsche Staatsangehörige eine echte Rarität sind. Auswärtiges Amt und verschiedene Botschaftsstatistiken listen für zahlreiche kleine Staaten nur einige Dutzend bis wenige Hundert gemeldete Deutsche.
In Inselstaaten wie Tuvalu, Nauru oder Kiribati im Pazifik dürfte die Zahl der dort dauerhaft gemeldeten Deutschen im niedrigen zweistelligen Bereich liegen – teils sind es einzelne Aussteiger, Segler oder Mitarbeitende internationaler Organisationen. Auch in Ländern wie São Tomé und Príncipe, den Komoren oder Turkmenistan ist die deutsche Community verschwindend klein, oft kaum größer als eine Schulklasse.
Interessant ist zudem, dass es bei den ganz kleinen Zielen häufig einen einzigen, sehr spezifischen Grund gibt, warum überhaupt jemand dort lebt: ein Entwicklungshilfeprojekt, eine Forschungsstation, ein einzelnes Unternehmen oder schlicht die persönliche Vorliebe für absolute Abgeschiedenheit. Wer wirklich aus der Menge ausbrechen will, findet dort garantiert keine deutsche Community, die einem den Umzug erleichtert – aber auch keine Landsleute, die einen an die alte Heimat erinnern.
Zum Vergleich: Während in der Schweiz statistisch gesehen jede 30. Person kein Schweizer, sondern deutscher Herkunft im engeren Sinne ist, könnte man in manchen Pazifikstaaten wohl das gesamte deutsche „Kollektiv“ locker an einem Esstisch versammeln.
Prominente Deutsche im Ausland – wohin zieht es die Stars?
Auch bekannte Gesichter aus Deutschland folgen erstaunlich oft denselben Mustern wie der Rest der Bevölkerung – auch wenn ihre Beweggründe manchmal etwas glamouröser klingen.
Heidi Klum verließ ihre Heimat Bergisch Gladbach bereits mit 20 Jahren in Richtung USA und lebte unter anderem in New York, an der amerikanischen Westküste und heute in Los Angeles. Damit folgt sie exakt dem Muster vieler jüngerer Auswanderer: berufliche Chancen und internationale Sichtbarkeit als Hauptmotiv.
Karl Lagerfeld kehrte seiner Heimatstadt Hamburg schon 1952 im Alter von 19 Jahren den Rücken und machte Paris zu seinem Lebensmittelpunkt – ein Umzug, der untrennbar mit seiner Karriere in der Modewelt verbunden war.
Michael Schumacher zog es 1996 an den Genfer See in die Schweiz, also in genau jenes Land, das bis heute mit weitem Abstand das beliebteste Zielland deutscher Auswanderer bleibt.
Auch abseits der ganz großen Namen zieht es zunehmend deutsche TV-Gesichter zumindest zeitweise ins Ausland: Nazan Eckes lebt seit einigen Jahren dauerhaft auf Mallorca, während Moderatorinnen wie Alina Merkau ihren Lebensmittelpunkt für begrenzte Zeit nach Ibiza verlegt haben und für einzelne Jobs nach Deutschland zurückpendeln. Interessant ist zudem eine Randnotiz aus der Vermögensforschung: Unter den deutschen Milliardären, die ihr Heimatland verlassen haben, lebt mehr als ein Drittel in der Schweiz – wohlhabende Auswanderer folgen also demselben Trend wie die breite Bevölkerung, nur eben in einer anderen Einkommensklasse.
Fazit: Nähe schlägt Exotik
Wer sich fragt, wohin wandern die meisten Deutschen aus, bekommt am Ende eine Antwort, die auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirkt, bei genauerem Hinsehen aber absolut logisch ist: Die große Mehrheit bleibt lieber in der Nähe, statt sich für exotische Fernziele zu entscheiden. Schweiz und Österreich führen die Rangliste seit Jahren an, weil hier Sprache, Kultur und geografische Nähe zusammenkommen – ein Paket, das kein anderes Land so bieten kann. Erst mit einigem Abstand folgen Spanien, die USA und andere klassische Ziele, die vor allem beim Klima oder bei beruflichen Perspektiven punkten.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf Rentner, Prominente und die seltenen Auswanderer in entlegene Inselstaaten: Die Motive sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Ob Sprache, Gehalt, Sonne oder einfach der Wunsch nach einem kompletten Neustart – am Ende entscheidet jeder für sich, was für das eigene Leben am wichtigsten ist.
Wer sich tiefer mit dem Thema Migration und Auswanderung beschäftigen möchte, findet einen guten allgemeinen Überblick auch im Wikipedia-Artikel zum Thema Auswanderung.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Auswandern
In welches Land wandern die meisten Deutschen aus?
Die Schweiz ist seit 2005 ununterbrochen das beliebteste Zielland deutscher Auswanderer. Aktuell leben dort rund 329.900 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit, dicht gefolgt von Österreich mit etwa 239.500 Personen.
Wie viele Deutsche wandern jährlich aus?
Im Jahr 2025 verließen laut Statistischem Bundesamt rund 288.600 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit das Land. Gleichzeitig kehrten aber auch etwa 190.000 Deutsche wieder zurück, was zeigt, dass Auswanderung häufig ein vorübergehendes Phänomen ist.
Warum wandern so viele Deutsche gerade nach Österreich und in die Schweiz aus?
Beide Länder grenzen direkt an Deutschland, Deutsch ist jeweils Amtssprache, und die kulturellen Unterschiede sind vergleichsweise gering. Hinzu kommen in der Schweiz deutlich höhere Löhne und in beiden Ländern eine hohe Lebensqualität sowie eine unkomplizierte Erreichbarkeit der alten Heimat.
Wohin wandern die meisten deutschen Rentner aus?
Auch bei Ruheständlern liegt Österreich vorn, gefolgt von der Schweiz und Spanien. Rund 72 Prozent der ausgewanderten Rentnerinnen und Rentner bleiben innerhalb der Europäischen Union, oft wegen der besseren Erreichbarkeit von Familie und Freunden.
Sind deutsche Auswanderer überdurchschnittlich gut ausgebildet?
Ja. Etwa 75 Prozent der ausgewanderten Deutschen verfügen über einen Hochschulabschluss, während der Anteil in der Gesamtbevölkerung bei nur rund 25 Prozent liegt. Auswanderung ist in Deutschland also stark ein Thema gut ausgebildeter Fachkräfte.
Gibt es Länder, in denen fast keine Deutschen leben?
Ja, vor allem kleine Inselstaaten im Pazifik oder abgelegene Länder wie Tuvalu, Nauru oder die Komoren. Dort sind teils nur wenige Dutzend Deutsche gemeldet, häufig einzelne Aussteiger, Forschende oder Mitarbeitende internationaler Projekte.

